08.06.2018

Vero – das neue Instagram?

In den letzten Monaten hat die App „Vero“ einen großen Hype in der digitalen Welt ausgelöst. Auf den ersten Blick erinnert sie stark an Instagram, denn darin können ebenfalls Bilder und Videos geteilt werden. Allerdings bietet die App noch weitere Funktionen und könnte vielleicht der umfangreichere Nachfolger Instagrams werden. Übersetzt bedeutet der Name „wahr“, denn die App möchte die sozialen Medien wieder real und vom Nutzer kontrollierbar machen. Doch was genau bedeutet das?


Inhaltsverzeichnis

Vero Teaser

Vero: Was ist das?
Keine Algorithmen, keine Datensammlung, keine Werbung
Vielfältige Funktionen
Kontakte in Gruppen einteilen
Ist Vero Konkurrenz für Instagram & Co?
Kritik an Vero
Geteilte Nutzermeinungen zur App Vero
Kurzer Hype oder App mit Potenzial?
Fazit

 

Vero: Was ist das?

So wie Instagram, Facebook oder Twitter zählt auch Vero zu den sozialen Netzwerken. Im Gegensatz zu den meisten anderen Social Media Plattformen ist Vero jedoch nur als App verfügbar und lässt sich nicht im Browser nutzen. In ihrem Aufbau erinnert die App stark an Instagram, hebt sich jedoch durch ein dunkleres Design ab. Durch den schwarzen Hintergrund soll die App modern wirken, damit experimentieren aktuell auch andere Plattformen wie YouTube, über dessen Stellenwert in Unternehmen wir in  unserem Blogartikel "YouTube für Unternehmen" berichten.

Von den App-Betreibern selbst wird noch ein weiterer Unterschied hervorgehoben: Die Nutzer können auf Vero „sie selbst sein“. Die Betreiber sagen den Algorithmen und der Datensammlung den Kampf an und wollen die Kontrolle zurück in die Hände der Nutzer geben.

Trotz dieses vielversprechenden Konzeptes fand die App nicht sofort Anklang. In den App Stores ist sie bereits seit 2015 zu finden, doch wirkliche Beachtung kam ihr erst in den letzten Monaten zu. Ausgelöst wurde dieser Hype ausgerechnet auf der Konkurrenzplattform Instagram, wo diverse Influencer auf die App aufmerksam machten und ihre Follower zur Installation ermunterten. Aus der Angst, etwas zu verpassen, leisteten viele Leute dieser Aufforderung Folge. So etwas nennt man dann gekonntes Influencer Marketing. ;-) Der plötzliche Erfolg hat wahrscheinlich auch einen zweiten Grund: Viele Leute sind von den klassischen Netzwerken und deren Spielregeln genervt. Die Nutzer sind bereit, Neues auszuprobieren und Veros Konzept wirkt auf den ersten Blick überzeugend. Zudem warb die Plattform mit einer kostenlosen Registrierung für die ersten eine Millionen Nutzer, was ebenfalls einen Reizfaktor darstellte.

 

Vero Manifest

 

[zum Inhaltsverzeichnis]

 

Keine Algorithmen, keine Datensammlung, keine Werbung

So lautet zumindest das Versprechen der App-Betreiber. Sie wollen „echter“ als andere soziale Medien sein (daher auch der Name) und den Nutzern ermöglichen, sie selbst zu sein. Das bedeutet mehr Authentizität, als es in anderen sozialen Netzwerken üblich ist. Hintergrund dieser Überlegungen ist die zunehmende Ungleichheit zwischen Userinteressen und Netzwerkinteressen in den sozialen Medien. Laut eigenen Angaben will Vero wieder die Nutzerinteressen in den Vordergrund rücken und nicht das Interesse der Plattform.

Was genau das bedeutet, haben sie in einem Manifest auf ihrer Webseite festgehalten. Sie verzichten auf Algorithmen und versprechen, es fände allgemein keine Manipulation der angezeigten Beiträge statt. Der Newsfeed ist rein chronologisch angeordnet und unterliegt keiner vorgeschalteten Sortierung. Jeder sieht genau die Dinge, die mit ihm geteilt werden – nicht mehr und nicht weniger. Abgesehen vom Namen, der E-Mailadresse und Telefonnummer, die bei der Anmeldung abgefragt werden, sollen auch keine Daten der Nutzer gespeichert werden. Im Besonderen diese Aspekte stehen zu markanten Veränderungen wie der DSGVO, die wir in einem anderen Blogartikel näher betrachten, im Fokus der App.

Allgemein sind Algorithmen und Datensammlungen vor allem nützlich, um Nutzern gezielt Werbung anzubieten. Doch darauf verzichtet die App ebenfalls. Auf Plattformen wie Instagram wird den Nutzern nach wenigen Beiträgen eine Werbeanzeige angezeigt, das kann beim Scrollen durch den Newsfeed auf Dauer stören. Für ein störungsfreies Nutzererlebnis setzt Vero daher auf ein anderes Geschäftsmodell: Die App will sich über ein Abo-Modell und In-App-Käufe finanzieren. Momentan ist die Anmeldung jedoch noch kostenlos.

 

[zum Inhaltsverzeichnis]

 

Vielfältige Funktionen

Funktionstechnisch knüpft Vero an Vorgänger wie Instagram und Facebook an. Das macht die App für die meisten Nutzern intuitiv bedienbar. Der Funktionsumfang ist jedoch nicht einfach von Instagram kopiert, sondern um zusätzliche Features erweitert:

  • Alles wird teilbar:
    Auf Vero gibt es verschiedene Kategorien, in denen Beiträge geteilt werden können: Fotos, Videos, Musik, Links, Bücher und Orte. So kann mit Freunden und Bekannten alles geteilt werden, was einen gerade bewegt. Fotos können zu Mini-Alben zusammengestellt werden und die Trailer zu Filmempfehlungen sind direkt vom Post aus anschaubar. Außerdem können Influencer Beiträge mit Produktplatzierungen posten und daran verdienen.
  • Beiträge weiterleiten:
    Die Posts von Freunden dürfen erneut geteilt werden. Ausgenommen sind davon lediglich die Kategorien Fotos und Videos, um die Privatsphäre der Nutzer zu schützen. Weiterhin können einzelne Beiträge aus der App heraus auf Twitter oder Facebook geteilt werden.
  • Automatische Erstellung von Collections:
    Eigene Postings und die Beiträge von Freunden werden automatisch in sogenannten „Collections“ gesammelt. Auch diese sind wieder nach den oben genannten Kategorien geordnet. So gibt es zum Beispiel eine Bibliothek für Bilder, eine andere für Buchempfehlungen und wieder eine andere mit Orten. Diese Sammlungen können gezielt durchsucht werden, um zum Beispiel Beiträge zu einem bestimmten Ort oder Thema zu finden.
  • In-App-Käufe:
    Ein Freund empfiehlt ein gutes Buch oder trägt einen coolen neuen Pullover? Wer die Empfehlung daraufhin nachkaufen möchte, muss die App dafür nicht verlassen und sich auf die Suche begeben, sondern kann den Kauf gleich vom Post aus tätigen.
  • Kontrolle über die Nutzungsdauer:
    Viele klagen darüber, zu viel Zeit mit den sozialen Netzwerken zu verbringen. Sie wollten nur mal kurz bei Instagram vorbeischauen und plötzlich ist eine halbe Stunde vergangen. Vero will seinen Erfolg nicht über diesen Suchteffekt definieren, sondern seinen Nutzern die Kontrolle über ihr Nutzungsverhalten geben. Dafür gibt es eine Anzeige, die einem verrät, wie viel Zeit man mit der App verbringt, denn diese soll nicht vom Leben ablenken, sondern es bereichern.
  • Chatfunktion:
    Manche Informationen und Bilder will man nur mit einer einzelnen Person teilen, das ist bei Vero über die Chatfunktion möglich. Auf diesem Weg kann man sich auch gleich über die geteilten Beiträge austauschen oder einen Freund für ein besonders gelungenes Foto loben.

 

[zum Inhaltsverzeichnis]

 

Kontakte in Gruppen einteilen

In den klassischen Netzwerken sieht jeder alles. Wenn Sie etwas posten, wird es all Ihren Freunden oder Followern angezeigt. Je nach Einstellung sind die Beiträge sogar für nicht registrierte Nutzer und damit das gesamte Internet sichtbar. Auf Vero lassen sich die eigenen Kontakte in drei Kategorien einteilen: enge Freunde, Freunde und Bekannte. Den anderen bleibt verborgen, wen man in welche Kategorie steckt und die Einteilung soll auch keinen Einfluss darauf nehmen, in welcher Reihenfolge Beiträge angezeigt werden.

Vero Kontakttypen

So muss man nicht alles mit jedem teilen, sondern kann vor Veröffentlichung eines Beitrags die Zielgruppe auswählen. An dem Strandpanorama des letzten Urlaubs dürfen sich dann alle Follower erfreuen, die Bikini-Bilder bleiben dagegen nur den engsten Freunden vorbehalten. Für die einzelnen Kategorien können sogar unterschiedliche Profilbilder eingestellt werden, um dem Nutzer maximale Kontrolle zu ermöglichen.

Für jeden Kontakt kann außerdem ausgewählt werden, welche seiner Beiträge man angezeigt bekommen möchte. Wer also einen anderen Musikgeschmack als die Kollegin hat, schaltet die Kategorie Musik bei ihr einfach aus, sieht aber trotzdem ihre Fotos, Videos und anderen Empfehlungen. Auf die gleiche Weise kann man seinen liebsten Künstlern oder Marken folgen und die besten Accounts seinen Freunden weiterempfehlen.

 

[zum Inhaltsverzeichnis]

 

Ist Vero Konkurrenz für Instagram & Co?

Der Funktionsumfang der App ist keine vollkommene Innovation, sondern knüpft an dem Vorhandenen an. Vero kombiniert die Funktionen verschiedener sozialer Plattformen und grenzt sich vor allem durch ein anderes Geschäftsmodell von diesen ab.

Besonders starke Parallelen bestehen zu Instagram, da das Teilen von Fotos und Videos auch eins der Hauptfeatures von Vero ist. Doch bei Vero hört das Teilen damit nicht auf, sondern es können auch Links, Orte und Empfehlungen verschiedenster Bereiche geteilt werden. Damit ist Vero nicht nur ein digitales Fotoalbum, sondern auch ein Sammelsurium an Empfehlungen und eigenen Favoriten. In dieser Sammelfunktion erinnert es ein wenig an Pinterest, jedoch können bei Vero keine eigenen Sammlungen angelegt werden, sondern es gibt nur die automatisch erstellten Collections. Durch die Chatfunktion bestehen außerdem auch gewisse Parallelen zu Facebook oder WhatsApp.

Insgesamt scheint es, als wolle Vero eine App für alles und für jeden sein. Obwohl sie zurzeit noch einen vergleichsweise kleinen Nutzerkreis haben, wollen sie keinen Nischenmarkt besetzen, sondern sämtliche Interessen in einer App bündeln, und konkurrieren damit gleich mit mehreren der aktuellen Riesen des Social-Media-Marktes.

Social Media Downloads

 

[zum Inhaltsverzeichnis]

 

Kritik an Vero

Bis hierhin erweckt die App einen überwiegend positiven Eindruck. Das Konzept klingt beinahe zu gut, um wahr zu sein. Tatsächlich warnen kritische Stimmen davor, Veros Versprechungen nicht unhinterfragt zu lassen. Zwar soll keine Datensammlung stattfinden, doch die AGBs besagen, dass Daten darüber, wer ein Bild anschaut und wie lange er darauf verweilt, erhoben werden dürfen. Außerdem werden Daten dazu gesammelt, wie viel Zeit jemand auf Vero verbringt, nicht zuletzt, weil dies für eins der App-Features relevant ist. Einige Kritiker gehen sogar soweit, zu sagen, Vero schalte zwar keine externen Werbeanzeigen, sei insgesamt aber nichts als eine riesige Verkaufsplattform.

Zurzeit haben die Entwickler auch noch mit technischen Problemen zu kämpfen. Auf den plötzlichen Erfolg der App waren sie nicht vorbereitet und arbeiten nun mit Hochdruck daran, die App zu verbessern. Als kleinen Trost haben sie die kostenlose Version für weitere Nutzer zugänglich gemacht, nachdem diese Aktion, wie bereits angedeutet, eigentlich nur für die ersten eine Millionen Anmeldungen angedacht war.

Kritisch gesehen wird auch die Person, die hinter der App steht: Ayman Hairi. Er war in der Vergangenheit an der Baufirma Saudi Oger beteiligt, um die es einen großen Skandal gab, da sie angeblich ihren Mitarbeitern das Gehalt nicht ausgezahlt haben und sie unter schlechten Umständen arbeiten ließen. Das schadet dem Image der App und lässt einige an der Glaubwürdigkeit von Vero zweifeln.

 

[zum Inhaltsverzeichnis]

 

Geteilte Nutzermeinungen zur App Vero

Über den Erfolg einer jeden App entscheidet, wie die User darüber denken. Doch deren Urteil fällt in Bezug auf Vero sehr gemischt aus. Während einige Nutzer begeistert sind und in der App den neuesten Stern am Social-Media-Himmel sehen, bleiben andere skeptisch und üben sogar harte Kritik aus. Die Streitfrage beginnt bereits bei dem Design: Manche finden es ästhetisch ansprechend und modern, anderen ist es zu düster und deprimierend. In den App Stores erzielt Vero mit einem Schnitt von drei Sternen nur durchschnittliche Bewertungen. Auch von Influencern, die den Hype eigentlich erst befeuert haben, wird Vero teils kritisch bewertet.

Einer der größten Kritikpunkte besteht darin, dass bei der Anmeldung eine Mobilfunknummer angegeben werden muss. Diese dient der Verifizierung und soll dabei helfen, Fake Accounts entgegenzuwirken, da Handynummern weniger leicht zu fälschen sind als E-Mailadressen. Außerdem können durch Angabe der Telefonnummer leichter Kontakte aus dem Adressbuch hinzugefügt werden. Dennoch würde ein Großteil der Nutzer offenbar lieber darauf verzichten.

Einige Nutzer beklagen auch, dass die Löschung ihres Vero-Accounts nicht funktioniert oder zumindest nicht so reibungslos abläuft, wie es wünschenswert wäre. Dabei spricht es auch nicht gerade für die App, dass die Nutzer bereits nach so kurzer Zeit über die Deinstallation nachdenken.

 

[zum Inhaltsverzeichnis]

 

Kurzer Hype oder App mit Potenzial?

Instagram gehört zu Facebook und Facebook war zuletzt wegen eines Datenskandals in Allermunde. Da scheint es nur naheliegend, dass sich die User nach einer nutzerfreundlicheren Alternative umschauen. Könnte Vero diese Alternative sein? Mittlerweile verzeichnet die App über eine Million Registrierungen, der Hype hat zahlreiche neue Nutzer mit sich gebracht. Dennoch haben die meisten Nutzer Vero bisher nur zusätzlich installiert und keinen gänzlichen Wechsel vollzogen. Trotz der Klage über Datenmissbrauch, Algorithmen und Werbung bleiben die Nutzer Facebook und Instagram treu. Ob sich das in Zukunft ändern wird, bleibt ungewiss.

Was sich jedoch sagen lässt, ist, dass Veros Downloadzahlen nach dem ersten Ansturm bereits zurückgegangen sind. Aktionen wie die #deletevero-Kampagne auf Twitter sprechen ebenfalls nicht für einen langfristigen Erfolg der App. Andererseits stehen demgegenüber begeisterte Nutzer, die großes Potenzial in der App sehen und sie in der nächsten Zeit nicht mehr missen wollen.

Am Ende wird der Erfolg auch davon abhängen, wie viele Menschen sich noch bei Vero anmelden. Denn ein soziales Netzwerk steht und fällt mit der Anzahl seiner Nutzer. Selbst die nutzerfreundlichsten Bedingungen bringen nur wenig, wenn man in dem Netzwerk nur einen Bruchteil seiner Freunde findet, weil die anderen den alten Plattformen treu bleiben.

 

[zum Inhaltsverzeichnis]

 

Fazit

Vero verspricht, ein wirklich soziales Netzwerk zu sein, bei dem der Nutzer im Mittelpunkt steht und die Kontrolle behält. Die App-Betreiber schreiben Privatsphäre groß und das ist gerade in Zeiten, in denen Themen wie der Datenmissbrauch populär sind, interessant. Ob die Begründer tatsächlich halten, was sie in ihrem Manifest versprechen, wird die Zukunft zeigen. Ebenso wenig lässt sich sagen, ob Vero am Ende nur ein kurzer Hype oder ein langfristiger Erfolg und Nachfolger von Instagram ist. Denkbar wäre auch, dass die großen Player wie Facebook und Instagram von derartigen Hypes bewegt und zu einem Umdenken motiviert werden. All das bleibt abzuwarten, doch es lohnt sich auf jeden Fall, Vero und die Entwicklung der sozialen Medien im Auge zu behalten. Auch für Unternehmen ist dies hinsichtlich des Influencer oder Social Media Marketings von großem Interesse.

 

[zum Inhaltsverzeichnis]

 


Das könnte Sie auch interessieren

YouTube für Unternehmen: ein interessanter Marketingkanal

Trend "Künstliche Intelligenz": Was dahinter steckt und wie vor allem das Online Marketing durch die Technologie profitiert

Appgecheckt-Video: Vero - Was kann die Alternative zu Facebook und Instagram? (YouTuber DoktorFroid)


Quellen

https://www.vero.co/

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Hype-App-Vero-Wer-steckt-hinter-dem-neuen-Instagram-3982149.html

https://www1.wdr.de/verbraucher/digital/Vero-100.html