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19.03.2019

Google gegen die URL - Chrome sagt der URL den Kampf an

Google Chrome macht Schluss – zumindest ist das der Plan: Das Unternehmen rund um die größte Suchmaschine weltweit möchte die Internetadressen (URL) abschaffen. Die Gründe dafür sind vielseitig. In unserem neuen Blogpost präsentieren wir den aktuellen Stand. Wir machen deutlich, welche Negativkomponenten in die Verwendung für den Verbraucher miteinfließen und was es für Konsequenzen im Bereich Online Marketing geben kann.

 

Was ist eine URL?

URL steht als Abkürzung für Uniform Resource Locator (dt. etwa Einheitlicher Quellenzuweiser). Sie repräsentiert den Standard für die Adressierung einer Website im World Wide Web und wird gemeinhin auch als Web- oder Internetadresse bezeichnet. Jeder bekannte Browser stellt – zumeist im oberen Seitenbereich – ein Feld zur Verfügung, in das die URL eingegeben werden kann. Alternativ wird der Nutzer durch das Anklicken eines Links auf Webseiten weitergeleitet, wodurch die URL von allein in der Eingabeleiste aktualisiert wird. Die URL besteht aus dem vorangestellten Übertragungsprotokoll HTTP oder HTTPS, dem Domain-Namen und dem Pfad

URL Leiste

 

Warum Google die URL abschaffen möchte

Die Zeichenkombination der URL ist der individuelle Fingerabdruck einer Internetseite. URLs sind jedoch teilweise recht lang und damit teilweise schwer zu merken und sicher nicht angenehm einzutippen. Auch das Lesen bzw. "Entschlüsseln" fällt nicht allen Nutzern gleich leicht. An der URL ist auch nicht ablesbar, ob eine Web-Seite vertrauenswürdig ist oder was genau hinter ihr steckt. Verkompliziert wird dies durch teilweise kryptische Zeichenketten oder auch Tracking-Parameter. Dadurch ist schon allein bei der Mobile-Version einer Website nicht genug Platz, um die URL einer Seite direkt und vollständig anzuzeigen. Die schwere Les- und Interpretierbarkeit von URLs kommt Betrügern zugute, die bspw. ähnlich aussehende Domainnamen für das bekannte Phishing verwenden.

Verwirrter Nutzer

 

Alternativen zur URL

Bereits im Jahr 2014 versuchte Google, die URL abzuschaffen und eine Alternative für sie zu finden. Diese besaß die Form des sogenannten Origin-Chips, der die URL im Grundzustand auf die Länge der Hauptdomain verkürzen sollte. Erst nach dem bewussten Klick sollte die URL in ihrer Vollständigkeit angezeigt werden. Dabei handelte es sich vorerst um einen Test, der anscheinend nicht gut bei den Nutzern ankam – nach nur kurzer Zeit wurde er wieder eingestellt.

Obwohl sich seither viele Kenner mit der Aufgabe beschäftigen, ist es sehr schwierig, eine URL-Alternative zu finden. Bisher konnte keine in der Praxis brauchbare Alternative gefunden werden.

Mobile-First-Indexing

 

Google Chrome handelt aus Eigennutzen

Dass die Sicherheit und die Transparenz für Nutzer im Vordergrund stehen, wenn es um Alternativen für URLs geht, kommuniziert Google deutlich. Doch genauso muss man sich die Frage stellen, was die Vorteile für den weltbekannten Browser-Hersteller darstellen, wo er doch ohne die URL nicht die Stellung besitzen würde, die ihm heutzutage innewohnt.

Adrienne Porter Felt, Technische Managerin von Google Chrome, äußerte gegenüber WIRED:

„Sie [URLs] sind schwer zu lesen, es ist schwer zu wissen, welcher Teil von ihnen vertrauenswürdig ist. Grundsätzlich denke ich, dass URLs kein guter Weg sind, um die Identität einer Website zu darzustellen. Darum wollen wir an einen Ort kommen, an dem Web-Identität von jedem nachvollzogen werden kann. … Das wird aber große Veränderungen nach sich ziehen, wie und wann Google Chrome URLs anzeigt. Wir stellen die URL grundsätzlich infrage und wollen klären, ob sie wirklich der beste Weg zur Identitätsvermittlung ist.“

Das Vertrauen in das Unternehmen scheint also eine große Rolle zu spielen. URLs zu überdenken, basiert nicht nur auf potenziellen Interessen der Nutzer, sondern vordergründig auf der Wirkung des Browsers selbst. Die Stellung des Unternehmens ist nämlich nur dann gesichert, wenn die Nutzer den Suchergebnissen vertrauen. Seitenbetreiber würden zudem abhängiger von der Suchmaschine werden, gäbe es keine alleinstellige Internetadresse einer Seite. Auf diese Weise bestünde nur die Möglichkeit, sich in den Suchergebnissen deutlich zu positionieren. Die Vormachtstellung Google Chromes steht also im Vordergrund, wenn es um die Abschaffung der URL geht. Die Bedürfnisse der Nutzer in den Fokus zu stellen, sieht nach einem klugen Schachzug aus. Probleme bereitet jedoch gerade vor diesem Hinblick, dass die User Google Chromes Vorkehrungen sehr kritisch gegenüberstehen. Es stellt sich also weitergehend die Frage, wie das Unternehmen seine Ideen und Vorstellungen in Zukunft rechtfertigen wird.

 

Kritik an dem Vorgehen von Google Chrome

Viele Nutzer kritisieren das Vorgehen von Google gegen die URL. Der Grund: Die 69. Version des Browsers streicht die Adressierungen www. und m. Dieses Prinzip scheint den Nutzern nicht zu gefallen. Es ist ungewohnt. Zudem treten durch diese Neuerung Missverständnisse und Logikfehler des Browsers auf. Dem Team rund um Google Chrome ist es offiziell jedoch allein deswegen ein Anliegen, die URL durch zeitgemäßere Alternativen zu ersetzen, da die meisten Nutzer nur über das Anklicken eines Google-Suchergebnisses auf Webseiten kommen und nicht selbst URLs in die URL-Zeile ihres Browsers eintippen.

Google gegen die URL

 

Die Canary-Version von Google Chrome

Stand Ende September 2018: Die 69. Version von Google Chrome und ihre Vorgehensweise gilt bereits als überholt. Der nächste Anlauf des Teams baut auf Google Chrome Canary. Diese Version gilt als ein fortgeschrittener Schachzug des Browsers und blendet die URL bei Suchanfragen vollständig aus.

Die sogenannte Omnibox des Browsers ist das Eingabefeld einer URL, kann in Chrome aber auch für viele andere Aspekte verwendet werden. Man kann Google-Suchen starten, teilweise sogar direkte Fragen beantworten oder auch Fakten abrufen, dabei zeigt der Sucherverlauf Vorschläge jeglicher Art an.

Innerhalb der neuen Canary-Version lässt sich nun ein neuer, so genannter Flag aktivieren, durch den die Internetadresse bei einer Googlesuche durch die Suchanfrage ersetzt und somit ausgeblendet wird. Damit verwandelt sich die Omnibox in eine Suchleiste.

Die Canary-Version können Sie mithilfe folgender Schritte selbst ausprobieren:

  1. Chrome Canary downloaden
  2. chrome://flags öffnen
  3. den Punkt #enable-query-in-omnibox_flag suchen und aktivieren
  4. den Browser neu starten

 

Fazit

Die URL ist Google ein Dorn im Auge. Das jedoch nicht zu Unrecht. Die Komplexität der Uniform Resource Locator ist weder transparent noch sicher. Nutzer wissen nicht, woran sie sind. Eine heikle Angelegenheit in der heutigen Zeit, in der beinahe jeder im Internet unterwegs ist und sicher sein möchte.

Leider scheint es bisher wenig Fortschritte in Richtung URL-Alternativen zu geben. Es ist schwierig, für die Nutzer zeitgemäße Möglichkeiten zu entwickeln, die weniger Schwächen mitbringen als die altbewährte Internetadresse. Zudem stehen Nutzer bisherigen Neuerungen eher kritisch gegenüber, da diese zu Verwirrungen und Bugmeldungen führen.

Dass Google einen hohen Eigennutzen hinter den Vorkehrungen sieht, treibt das Vorgehen weiter an. Für dieses Jahr wurden weitere Änderungen angekündet, über die wir berichten werden. Es bleibt also spannend.

 


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Quellen

https://blog.searchmetrics.com/de/2018/09/20/google-mobile-first-indexing/

https://www.golem.de/news/chrome-69-googles-planloser-kampf-gegen-die-url-erzuernt-nutzer-1809-136460.html

https://www.googlewatchblog.de/2018/09/googles-kampf-url-chrome/

https://t3n.de/news/google-will-die-url-abschaffen-1107948/

https://www.wired.com/story/google-wants-to-kill-the-url/

https://www.xovi.de/google-chrome-will-url-abschaffen/