08.11.2017

Banken und Sparkassen im Netz: seit Jahren ungenutzte SEO-Potenziale

Banken und Sparkassen haben noch immer großes Optimierungspotenzial im Bereich SEO! Bei der Suche nach Schlüsselwörtern aus dem Finanzbereich sind es nicht die Geldinstitute, die die relevanten Plätze im Ranking belegen. Stattdessen haben redaktionelle Finanzportale und Vergleichsdienste die größte Reichweite und liegen im Kampf um die Topplatzierungen eindeutig vorn.

 

Schlechte Rankings von Banken und Geldinstituten

Wie schlecht es um die Performance von Banken im Netz steht, lässt sich durch einen Vergleich der aktuellen Rankingpositionen erkennen. Bei Betrachtung der Suchergebnisse zu Begriffen wie „Girokonto“, „Geldanlage“, „Kredit“, „Festgeld“ oder „Baufinanzierung“ würden Nutzer vermutlich die Geldinstitute auf den obersten Plätzen erwarten. Stattdessen sind es vor allem Vergleichsportale und redaktionelle Finanzportale, die zu den Begriffen ranken. Dies verdeutlicht die folgende Grafik:

SEO in der Bankenwelt - Tabelle RankingsZu den relevanten Keywords können die großen Banken nur in den wenigsten Fällen gute Platzierungen erreichen. Vielfach reicht es nicht einmal für die Top 100. Nur eine der Filialbanken, nämlich die Sparkasse, kann zum Zeitpunkt der Datenerhebung überhaupt Positionen im Top 10 Bereich verzeichnen.

 

Branchen-Tunnelblick verzerrt die Einschätzung der Performance

Die deutschen Geldinstitute haben in Sachen SEO also einiges aufzuholen. Eine mögliche Ursache für die bisher mangelnde Anstrengung um gute Rankings könnte ein sogenannter Branchen-Tunnelblick sein. Unternehmen betrachten, um sich zu vergleichen, häufig nur die Performance ihrer unmittelbaren Mitbewerber. Dass es aber tatsächlich darum geht, die Anbieter zu beobachten, die auf die relevanten Keywords ranken, wird oft verkannt. Es sind nicht immer direkte Marktkonkurrenten, die es zu übertrumpfen gilt. Im Internet kann jede Website zum Konkurrenten werden, wenn sie einen entsprechenden Keywordfokus hat.

Um online im Bereich Finanzen ganz vorne mitzuspielen, müssen die Banken ihr Augenmerk daher auch auf redaktionelle Finanzportale und Vergleichsportale lenken. Ansonsten landen die Nutzer bei ihrer Suche nach Informationen und Angeboten nicht auf den Websites der Bankinstitute, sondern auf den Vergleichsportalen. Dadurch leidet die Online-Performance spürbar. Dies ist für die Banken auch in wirtschaftlicher Hinsicht prekär. Zwar gelangen die interessierten User über die Vergleichsportale letztlich auf Umwegen auch auf die Webseiten der Banken, doch müssen die Unternehmen auf diese Weise für jeden Kunden Provisionen an die Vergleichsdienste zahlen. Zudem ist es auf den Vergleichsportalen durch die direkte Konkurrenz zwischen den Anbietern schwieriger, die Kunden für sich zu gewinnen. Wer die Klientel hingegen ohne Umwege auf die eigene Seite leiten kann, hat höhere Chancen wertvolle Leads zu generieren.

Dazu müssen die Nutzer die Banken jedoch überhaupt erst finden – und zwar am besten in den TOP10. Schließlich beschränken sich 99,1% der Suchenden bei ihren Recherchen auf die erste Seite der Suchergebnisse. Dies kann nur gelingen, wenn die jeweiligen Unterseiten zum Keyword die Interessenten durch relevante Inhalte, gute Strukturen und technische Qualitätsstandards begeistern. Hierzu sind Investitionen von Arbeits-, Personal- und Budgetressourcen vonnöten.

 

 

Wie steht es um die Performance der Geldinstitute im Vergleich zu anderen Finanzseiten?

Bei Betrachtung der SEO-relevanten Key Performance Indicators (KPIs) wird deutlich, wie viel Potenzial aufseiten der deutschen Banken noch nicht ausgeschöpft wird. Einzig die Sparkasse hebt sich klar von ihren direkten Wettbewerbern ab und erzielt im Verhältnis eine größere Reichweite über Suchmaschinen. Dennoch ist die externe Konkurrenz deutlich stärker aufgestellt. Die Sichtbarkeit der Vergleichsportale ist enorm hoch.

SEO in der Bankenwelt - KPI TabelleInteressant ist zudem, dass die Domain Finanztip.de mit nur 9.110 Seiten eine Sichtbarkeit von 83 erreicht. Dies spricht für eine durchdachte SEO-Strategie, die primär auf reichweitenstarke Begriffe abzielt. Es kommt also nicht immer auf die Größe der Domain an. Stattdessen ist ein Fokus auf reichweitenstarke Begriffe vielversprechend. Zudem verringert sich so die Gefahr, dass verschiedene Unterseiten miteinander konkurrieren, da sie thematisch ähnliche Themenschwerpunkte haben. Eine klare, gezielt ausgerichtete Informationsarchitektur ist hier ein wichtiger Schlüssel zum SEO-Erfolg. Was dies im Detail bedeutet, erfahren Sie in unserer Case Study: Von Null auf 11,8 Millionen Seitenaufrufe in einem Jahr durch Suchmaschinenoptimierung.

Bei Betrachtung der Sichtbarkeit anhand dieser Grafik gilt es jedoch zu beachten, dass die Sichtbarkeit hier auf die gesamte Domain bezogen ist und Vergleichsportale neben den Finanzthemen auch eine ganze Menge anderer Themen spielen. Dennoch hat dies erheblichen Einfluss auf die SEO-Möglichkeiten, da die Domains der Vergleichsportale extrem stark sind. Somit sind diese Portale in der Lage, innerhalb kurzer Zeit auch hart umkämpfte Begriffe zu besetzen.

SEO in der Bankenwelt - SERP GeldanlageDie Sistrix-Analyse zum Keyword „Geldanlage“ zeigt, wie sich Portale wie Check24 (blaue Linie) innerhalb kürzester Zeit zu einem der Top-Suchergebnisse für das suchvolumenstarke und umkämpfte Keyword platzieren können. Anhand der Grafik wird erneut ersichtlich, wie dominant die Konkurrenz seitens anderer Dienstleister im Finanzsektor ist. Die Top 5 Platzierungen sind gänzlich durch redaktionelle Finanzportale und Vergleichsdienste besetzt. Was fehlt sind die Unternehmen, für die das Keyword besonders relevant ist – die Banken und Sparkassen.

Banken müssten also an ihrer gesamten Online Performance arbeiten, um mit ihren Unterseiten bessere Rankings zu erreichen. Nur so können sie auch auf aktuelle Trends reagieren, die sich in verstärkten Suchanfragen zu entsprechenden Keywords widerspiegeln. 

 

Unausgeschöpftes SEO-Potenzial von Banken ist keine Neuigkeit

Bereits vor mehreren Jahren konnten Studien (u.a. Takevalue (2013) und ibi Website Rating Uni Regensburg (2010)) feststellen, dass deutsche Sparkassen und Banken im Bereich Suchmaschinenoptimierung erhebliche Defizite aufweisen. Das Wissen um die ungenutzten Potenziale der Websites ist also nicht neu. Der Vergleich zu den Jahren 2010 und 2013 zeigt klar, dass die Finanzbranchen noch immer zu wenig Engagement in eine langfristige und erfolgreiche Suchmaschinenoptimierung legt. 

 

Ursachen für die SEO-Defizite der Bankinstitute

Die schlechte Performance der Banken kann vielseitige Ursachen haben. Häufig liegen die Probleme der entsprechenden Webseiten in der Informationsarchitektur – das wissen wir aus langjähriger Erfahrung und durch zahlreiche durchgenommene Analysen in verschiedensten Branchen. Es geht somit vor allem um die inhaltliche Ausgestaltung von für SEO enorm wichtigen Seiten. Hinzu kommen oftmals technischen Onpage-Defizite. Wo genau die einzelnen Banken nachrüsten müssen, kann nur auf individueller Ebene geklärt werden. Eine professionelle SEO-Analyse deckt Defizite auf und identifiziert die Optimierungspotenziale.

 

Fazit

Die Internetseiten der Banken und Sparkassen weisen noch immer immenses Optimierungspotenzial im Bereich SEO auf. Bei Suchanfragen zu wichtigen Begriffen aus der Finanzbranche geben die redaktionellen Finanzportale und Vergleichsportale den Ton an und liegen in der Platzierung klar vor den Banken und Sparkassen.

 


Auch interessant:

https://blog.searchmetrics.com/de/2017/06/07/ranking-faktoren-finanzen/
Studie von Searchmetrics zum Thema Banken- SEO und warum die Sparkasse hier die Nase vorne hat. (Datenerhebung 2016, Artikel Juni 2017)

https://thefinancialbrand.com/67471/banking-websites-digital-growth-engines/
Artikel vom Onlinemagazin ‚The Financial Brand‘ zum Thema „Transforming Broken Banking Websites Into Digital Growth Engines“. (englischsprachig) (September 2017)

 

Anmerkung

Für diesen Artikel wurden die Onlinepräsenzen deutscher Geldinstitute mit Filialnetz (Sparkasse, Deutsche Bank, Commerzbank, Postbank, Targo Bank) sowie redaktionelle Finanzportale und Vergleichsdienste (Finanztip.de, Finanzen.net, Verivox, Check24, geldanlage.de, sueddeutsche.de) aufgrund von Größe und Bekanntheit oder Erscheinung im untersuchten Ranking ausgewählt. Die Reihenfolge der Benennung stellt keine Präferenzen dar. Die Daten oder dieser Artikel entstanden nicht Zusammenarbeit mit den Anbietern und wurden aus objektiver Perspektive erstellt. Die Auswertungen wurden mit der Sistrix Toolbox erstellt.

 

Quellen:

Grafiken: Sistrix

https://www.sistrix.de/news/klickwahrscheinlichkeiten-in-den-google-serps/ Studie 2015 Autor: Johannes Beus

https://www.takevalue.de/blog/news-wissen/studie-sichtbarkeit-von-banken-in-suchmaschinen/ Studie 2013.

http://www.ibi.de/studien-websiterating/923-studie-suchmaschinen-marketing-bei-banken-und-sparkassen.html Studie 2010.

http://www.ibi.de/files/Flyer_Suchmaschinen-Marketing.pdf  Studie 2010.